So oder so ähnlich könnte der Arbeitsalltag ohne Exposé oder Mission Control aussehen. Zum Glück ist heutzutage jeder halbwegs moderne Browser mit Tabs ausgestattet, sonst wäre das Chaos auf dem Schirm der heutigen Multitaskinggeneration noch undurchsichtiger. Wer nicht zu den Fensterschließneurotikern gehört und jede Anwendung folglich auch zahlreiche Male an einem Arbeitstag startet und beendet, verteilt seine Aufmerksamkeit auf ein gutes Dutzend parallel geöffneter Fenster.

Während Microsoft via Sysinternals ein quasi-hauseigenes Tool für diesen Zweck anbietet, kennen Linux und Mac-User es eigentlich gar nicht anders: von multiplen Desktops ist die Rede. Einst vertraten Exposé und Spaces im Zusammenspiel die praktische Lösung zum Fenstermanagement. Mehrere Arbeitsflächen erleichterten die Verteilung von Fenstern und erstere Funktion bot eine angenehme Übersicht der geöffneten Tasks.

Mission Control


Mission Control setzt dort an, wo die Vorgänger Schwachstellen aufwiesen und gestaltet dabei die Optik noch eindeutiger und noch deutlicher. Bestehen mehrere zu einer Anwendung gehörende Fenster, werden diese in gruppierter Form dargestellt. In den neuen Vollbildmodus von Lion (10.7) hineinmaximierte Anwendungen werden als separater virtueller Desktop präsentiert. Die Reihenfolge der virtuellen Schreibtische lässt sich dem eigenen Gusto anpassen, ebenso das jeweilige Wallpaper. Mit den passenden Hintergründen lässt sich der eigene Workflow somit in logische Segmente gliedern.

Anwendungen können wahlweise auf jedem Desktop auftauchen (sinnvoll für Dateimanager und Systemwerkzeuge), an einen Arbeitsbereich gekoppelt werden (beispielsweise in Gruppen oder Kontexten zusammengefasst) oder aber ungebunden, nach einer first-come-first-serve Logik auf dem zum Applikationsstart aktiven Arbeitsplatz ihr temporäres Dasein fristen. Mit der richtigen Konfiguration lassen sich mit Mission Control wohlgeordnete Arbeitsplätze schaffen, die beispielsweise einer Produktivitäts-Pipeline folgen. Passende Tastaturshortcuts erleichtern den Wechsel der Arbeitsbereiche, zudem können die aktiven Bildschirmecken entsprechend konfiguriert werden.

Einige Features fehlen jedoch auch nach aktuellem Stand der Version 10.7.3. So können die eigens sortierten Desktops nicht benannt werden oder einer anderen, nonlinearen Struktur folgen. Die am Titelrand eingeblendete Übersicht der anderen Desktopschirme ist zwar gestalterisch schön umgesetzt worden, verfehlt allerdings einen kritischen Aspekt der Funktionalität um Längen. Mit Spaces war es dem User noch möglich, die Inhalte der anderen Desktops zu erkennen. Mission Control legt (vermutlich um des Casual Users willen) den Fokus auf den aktiven Desktop und zeigt alle anderen nur in einem recht kleinen Streifen an. Bislang ist noch kein Tweak erschienen, der eine umfassende, globale Übersicht liefert. Während der Wechsel sich per Dock, Command+Tab und weiterer Shortcuts einfach gestaltet, ist hier dennoch ein deutlicher Designkompromiss spürbar. Dennoch nichts weltbewegendes.

Wer Mission Control sinnvoll konfiguriert kann aus dem gewonnenen Weißraum neuen Fokus und Effektivität schöpfen. Snow Leopard Nutzer können mit Hyperspaces ihre bestehende Konfiguration erweitern.