Bergson und Minkowski erforschten die Auswirkungen von kurzen Pausen auf das Konzentrationsvermögen des Menschen. Offenbar sind geistige “Sprints” für einige Menschen die bevorzugte Wahl, wenn es um effektive Problemlösung gehen soll. Um welche Intervalle es hierbei geht, ist natürlich abhängig vom Kontext und dem Subjekt. So spricht Autor Timothy Ferriss von mehrwöchigen “Sprints” im Kombination mit ausgedehnten Ruhephasen zur Bewältigung seiner Projekte. Francesco Cirillo erfand die nach dem Küchenwecker in Tomatenform benannte “Pomodoro Method” und taktete seine Intervalle in kurzen Stößen von 25 Minuten Fokus und 5 Minuten Ablenkung.

Tomaten und Produktivität

Der Prozess nach Cirillo gestaltet sich wie folgt: Zunächst wird die zu bewältigende Aufgabe in Schriftform festgehalten, so akkurat und deskriptiv wie möglich. Daraufhin startet der Timer mit 25 Minuten, das Ticken der Uhr erinnert das Bewusstsein ständig an die aktive Aufgabe und die ablaufende Zeit. Ist die Tomate aufgebraucht, wird ein Kreuz neben der Aufgabe gemacht und gezielt entspannt. Genau 5 Minuten lang. Auf vier Zyklen folgt dann eine längere Pause von 15-20 Minuten.

Würden Sie einen gesamten Arbeitstag nach dieser Methode absolvieren wollen? Es gibt jedenfalls Menschen, die mit diesem Rhythmus besonders gute Ergebnisse erreichen. Ich persönlich nutze die Pomodoro Methode in Kombination mit dem GTD-System um kleinere Aufgaben zeitnah und in mundgerechte Häppchen aufgeteilt fertigzustellen. Für größere Aufgaben oder Programmierarbeiten ist vielleicht doch der mehrstündige Sprint zur späten Stunde besser geeignet. Das ständige Ticken eines Weckers, wie von Cirillo empfohlen, empfinde ich persönlich eher als einen unnötigen Reiz. Ein leiser Gong festigt in meinem Workflow hingegen alle 5 Minuten den mentalen Leitsatz von Ram Dass: “Be here now”. Letztlich erreicht unsere Produktivität nur dann große Höhen, wenn unser Verstand sich auf die Gegenwart, den jetzigen Moment konzentriert. Wie lange dieser Fokus auf den flüchtigen Moment aufrechterhalten werden kann, hängt letztlich von vielerlei Faktoren ab. Unter’m Strich ist vielleicht also der Intervall auch je nach Situation, Aufgabe, Tagesform und Stimmung variabel zu wählen.